Natalja ist frei

Heute morgen ist Natalja aus dem Knast entlassen worden. Sie will sich draußen weiter am Kampf für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung beteiligen. Vielen Dank an alle UnterstützerInnen und LeserInnen!

Grüße zur revolutionären 1. Mai-Demonstration in Nürnberg

Auch wenn meiner Teilnahme leider Knastmauern im Wege stehen, möchte ich mich mit diesen Grüßen zumindest ideell in Eurer Demo einreihen!
Wie überhaupt die Erfahrung, dass Widerstand gegen Ausbeutung und Unterdrückung, gegen Nazis, gegen Krieg… mit staatlicher Repression beantwortet wird, so vertieft auch das längere zwangsweise Kennenlernen von Gefängnissen die Erkenntnis, dass es dieses System einfach nicht sein kann! Die starke Solidarität, die ich in dieser Situation aud der anderen Seite erlebe, gibt wirklich Kraft und Mut – nicht nur weil sie für mich persönlich eine große Unterstützung bedeutet, sondern auch weil Solidarität ein grundlegender Schlüssel zu einer Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung ist und eine der entscheidenden Stärken, die die linke Bewegung dem Kapitalismus entgegensetzt. – Denn der ist auf Konkurrenz angewiesen.
Um zu spalten, ein- und auszugrenzen und Menschen gegeneinander auszuspielen, schafft das System eine menge Barrieren: Die rassistischen Bollwerke um die „Festung Europa“ oder der Zaun um ein Abschiebelager sind nur die Beispiele, ebenso wie die sozialen Trennlinien um ein als „Problembezirk“ oder „Brennpunktviertel“ diskriminiertes Wohnfeld und wie eben auch die schon erwähnten Knastmauern.
Doch all diese Barrieren ändern nichts daran, dass die eigentliche Grenze zwischen oben und unten verläuft! Die soziale Frage lässt sich weder ein- noch aussperren und schon gar nicht wegsperren! – Und der Widerstand auch nicht!
Die soziale Revolution hat, was dem System fehlt: eine Perspektive!
In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine kraftvolle revolutionäre 1. Mai-Demonstration und einen entschlossenenen antikapitalistischen Kampftag zum Anlauf Nehmen für viele weitere!

Natalja (Aichach, den 14.04.09)

Ein Brief von Natalja

Aichach, den 24.02.09

Hi!

Eure vielen solidarischen Postkarten in den Händen zu halten ist echt ein klasse Gefühl! Aus jeder einzelnen spricht eine Menge, was Kraft gibt!
Es ist gar nicht leicht auszudrücken, was mir diese starke Verbundenheit bedeutet – Grüße von so vielen GenossInnen, Aufmunterung und all die Schilderungen des facettenreichen Geschehens bei Euch „draußen“: Das gibt mir einfach eine Bestärkung, dass ich ideell aus den „Reihen“, wo ich hingehöre, nicht rausgezogen werden kann. Physisch bin ich zwar „weggehaftet“ worden, aber es ist klar, wo mein Platz ist!
Dafür danke ich allen, die die coolen, phantasievollen Karten hergestellt und geschrieben haben, aber auch allen anderen, die mit Herz und Hand den Zusammenhalt schaffen, der in seiner tragenden Bedeutung überhaupt eben auch bewirkt, dass zum Beispiel ich trotz der Inhaftierung durch den Staat nicht auf mich allein gestellt bin, sondern miteinbezogen bleibe!
Übrigens ist ein wichtiger und schöner Aspekt Eurer Karten für mich, dass sie meine Gedanken dem Knast entkommen lassen.
Was mich außer der vielen Post ebenfalls sehr freut, ist, dass ich bei der diesjährigen Demo gegen die NATO-Kriegskonferenz indirekt doch im internationalistischen Block dabei sein konnte!
Über ein Jahr ist seit meiner Festnahme vergangen und mittlerweile ist das Eingesperrt sein für mich fast zur Routine geworden. Gewöhnung bedeutet natürlich nicht dass ich anfange vom Sein auf das Sollen zu schließen, im Gegenteil: je länger und besser man kennen lernt, was Knast heißt, desto deutlicher zeigt sich der als destruktives Instrument, aus dem zwar gewiss jemand einen Nutzen zieht – jedoch wohl kaum die Allgemeinheit.
Immerhin ist allerdings meine eigene Situation derzeit ziemlich ruhig, soll heißen, ich werde weitestgehend in Ruhe gelassen und manche Untiefen habe ich inzwischen auch besser zu umschiffen gelernt.
An einer Art Bilanz des vergangenen Jahres in Haft versuche ich mich jetzt nicht. So wie ich das aus dem Knast schreiben kann, käme dabei letztlich doch etwas verfälschendes heraus… Aber es sind ja zum Glück bald nur noch drei Monate, bis sie mich wieder rauslassen müssen (bzw. mich los sind).
Jedenfalls bin ich zuversichtlich, dass die restliche Zeit hier drinnen relativ schnell vergehen wird.
Da ja „draußen“ hingegen für die nächsten Monate einige Herausforderungen auf dem Terminkalender stehen, wünsche ich Euch schon mal im Voraus viel Kraft, Kreativität und Erfolg – insbesondere natürlich für die Proteste gegen die Jubiläumsfeier der nun schon 60 Jahre zu lange bestehende NATO und für den 1. Mai!
so – und jetzt suche ich (eben unter den reglementierenden Rahmenbedingungen) schöne Plätze zum Anbringen der Postkarten! – Die sind nämlich toll (steckt auch bestimmt eine Menge Arbeit drin)!
Gruß!
Natalja

AKTIONSTAG: Freiheit für Natalja! Freiheit für alle politischen Gefangenen!/Freiheit für alle Gefangenen!

we are strong!- no one can tell us we‘re wrong

Am Samstag, dem 09. Februar 2008 wurde Natalja während der Demonstration gegen die jährliche NATO-Sicherheitskonferenz in München festgenommen. Gegen sie wurde Haftbefehl wegen angeblicher Körperverletzung erlassen. Seitdem sitzt sie im Knast, zunächst in München und inzwischen in Aichach. Gegen sie wurde ein Haftbefehl erlassen und sie befindet sich seit dem in München hinter Gittern.

„Für mich begann die Gefangenschaft mit einer Art Schock, der langsam verschwindet. Es bleibt das unterschwellige Gefühl, permanent unter Druck zu stehen, auf das sich jedoch eine dicke Schicht Müdigkeit, Langweile und Erschöpfung gelegt hat“. (Natalja)

Am 30. 04. 2008 fand vor dem Amtsgericht München der Prozess gegen Natalja statt. Das Urteil lautete auf 5 Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung. (Natalja hat schon in Rostock für den G 8 Protest und Widerstand am 1. Mai 2007 eine Gesamtstrafe von 11 Monaten aufgebrummt gekriegt, außerdem erhielt sie für antifaschistischen Widerstand in Gräfenberg eine Haftstrafe von 2 Monaten. Mittlerweile wurde ihre Haft aber duch nachträgliche Strafzusammenziehung um einen Monat verkürzt. )

„Ich habe die Bitte – die jetzt nicht großkotzig klingen soll – das Ganze ein bisschen kämpferisch / trotzig / “erst recht” – mäßig zu formulieren, damit die staatliche Einschüchterungspropaganda nicht versehentlich dabei verbreitet wird. ” (Natalja)

Mit der Festnahme, den Verhandlungen und der Inhaftierung ging aber einiges einher: Polizeigewalt, ignorierte Beweismittel, ein Anwerbeversuch durch eine als Mitgefangene eingeschleuste Mitarbeiterin des Verfassungsschutzes in der JVA Neudeck, Verhinderung des Erhalts kritische Infomaterialien, zwangsweise Blutentnahme zwecks DNA-Probe…

Natalja beteiligte sich aus ihrer Gefangenschaft heraus durch Redebeiträge und Texte an Demos/Veranstaltungen wie z.B. einer Demonstration unter dem Motto “Kriminell ist das System und nicht der Widerstand”!

„Der Knast soll einschüchtern, umerziehen, kriminalisieren und ausschließen… – Und er präsentiert sich jeden Tag als Beweis dafür, wie ungerecht, unmenschlich, diskriminierend und destruktiv das herrschende System ist „[…]
Würde das Knastsystem ohne die erzwungene unterbezahlte Mitarbeit der Gefangenen in den Anstalten auch nur einen Tag lang funktionieren? Würden sich Gefängnisse aufrechterhalten lassen ohne die Befehl- und -Gehorsam-Hierarchie der VollzugsbeamtInnen, von denen die Unterwerfung bzw. Unterdrückung der Gefangenen durch den Staat täglich praktisch umgesetzt wird?
Bräuchte eine gerechte, freie Gesellschaft überhaupt Knäste als Instrument von Klassenherrschaft und als Mittel, um ausgebeutete Gesellschaftsschichten durch Kriminalisierung zu spalten?
Wie abscheulich die Erfahrung von Repression auch sein mag, die Erfahrung von Solidarität auf der anderen Seite ist sehr beeindruckend und ermutigend! Beides bestärkt mich in der Überzeugung: Widerstand gegen das herrschende System ist nötig. Und wie viel Angst das System offenbar hat, vor der sozialen Bewegung und aktivem Eintreten gegen Faschismus, Rassismus und Krieg, zeigt doch nichts so klar wie die Überzogenheit, Brutalität und vermessene Steigerung staatlicher Repression!“(Natalja)

Der 05.06. 2009 ist ein Tag den Natalja sicherlich herbeisehnt und nicht nur sie allein… Denn an diesem Tag soll Natalja endlich entlassen werden.
Bis dahin ist es jedoch noch eine lange Zeit. – Und: None of us is free until all of us are free! Die Kämpfe in den Knästen und die Solidaritätsbewegung muss weiter aufgebaut und unterstützt werden. Die Massenhungerstreiks 2008 in Europas Knästen und eine wachsende Organisierung von Solidaritätsstrukturen draußen sind ein Anfang.
Vor allem ist das Ziel aber eine Gesellschaft, die keine Knäste, Zwangsanstalten und Lager braucht.

Das Wochenende 6.-8. Februar werden Aktionstage in Solidarität mit Natalja und allen kämpfenden Gefangenen sein. Es ist das Wochenende des Widerstandes gegen die Nato Kriegs Konferenz (offiziell Sicherheitskonferenz genannt), bei dem Natalja vor nun fast einem Jahr festgenommen wurde.

„Das ist ein Treffen von Kriegstreibern aus Politik, Militär und Rüstungslobby auf Einladung der Quandt Stiftung. ( Die Familie Quandt ist der Hauptanteilseigner der BMW, wo ja nicht zuletzt auch Rüstungsgüter produziert werden. Vermögen und Einfluss der Quandts haben ihren Ursprung in der chemischen Industrie – und zwar speziell in der NS-Zeit. In ihren Fabriken wurden gezielt KZ-Häftlinge eingesetzt; es gab eine eigens eingerichtete KZ-Außenstelle, um die Batterieherstellung der Quandts mit Arbeitskräften zu versorgen.)

Trotz des von der Form her kommerziellen Hintergrundes der Konferenz genießen die „verdienten Herrschaften“ den Status offizieller Statsgäste der der BRD und die Bundeswehr ist für den Schauplatz verantwortlich…“(Natalja)

Für alle , die an den Protesten gegen die Siko und an den lokal (München) organisierten Soliaktionen für Natalja und alle kämpfenden Gefangenen nicht teilnehmen können, wird zu einem dezentralen Aktionswochenende aufgerufen.
Macht Aktionen welcher Art auch immer! Organisieren wir uns, um dem Staat samt seiner
Knäste, Bullen, Gesetzte und Militärs eine Absage zu erteilen und in Solidarität mit unserer Genossin Natalja und allen kämpfenden Gefangenen für eine Welt ohne Herrschaft und Ausbeutung
zu kämpfen!
Freiheit für Natalja und alle anderen politischen Gefangenen weltweit! Freiheit statt Knast und Staat! Kein Frieden mit dem herrschenden System Hoch die Internationale Solidarität! Für die soziale Revolution!

(Aufruf der UnterstützerInnen)

Aktionstag: Freiheit für Natalja! Freiheit für alle Gefangenen!
weitere Infos siehe:
noprisonnostate.blogsport.de

Kontakt und Infos unter:
abc-orkan
abc-orkan@riseup.net
Hier findet ihr auch mehr über die Situation und das Engagement von und für die nicht politischen Gefangen.

Natalja wurde in begehrte Einzelzelle verlegt

Zur Abwechslung mal eine positive Nachricht: Natalja wurde in eine Einzelzelle verlegt. Da es auf Dauer sehr anstrengend seien kann mit anderen auf engsten Raum zusammengesperrt zu sein (zumal wohl jeder hinter Gitter seine Probleme und Sorgen haben dürfte) sind die Einzelzellen sehr begehrt. So ist Nataljas Verlegung als Vergünstigung anzusehen.
Natürlich ändert das nichts daran, dass es insgesamt viel, viel zu wenige Einzelzellen gibt und etliche Gefangene über lange Zeitr in Mehrfachzellen ausharren müssen. Nicht wenige leiden dort sehr unter dem sozialen Stress, unter Konflikten und ungleichen Machtverhältnissen.

Natalja schreibt zu ihrer Verlegung:
Seit neuestem bewohne ich nämlich eine Einzelzelle ein Stockwerk höher. Endlich eine richtig gute Neuigkeit! Die Zelle ist dazu noch viel größer als die komplette Doppelzelle, in der ich vorher untergebracht war. An so viel Platz musste ich mich erstmal wieder gewöhnen (Ja wirklich!). Puh, bin ich froh, allein sein zu können und meine Ruhe zu haben! Und keine Fernsehberieselung und kein Sanitärvorhang mehr… Und nicht mehr die unnatürliche Nähe und das ganze komplizierte Zusammenleben (fast) rund um die Uhr, obwohl die Gemeinsamkeiten, die man finden oder entwickeln kann, eigentlich bloß für ein distanziertes Miteinander unter Bekannten ausreichen.