Brief von Natalja zur Antirepressions – Kampagne

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Aichach, Herbst 08

Hallo GenossInnen / hallo Leute in der „Katze“!

Vielen Dank für Euren Brief, den ich heute erhalten habe, und die aktuellen Infos!
Es freut mich, von dem Aktionstag gegen staatliche Repression zu erfahren! – Die in der Tat absurden Vorgänge in Fürth finde ich erschreckend.
Den betroffenen Antifas gilt meine Solidarität und Identifikation mit iren Intentionen.

Was einen eventuelle Redebeitrag zu meinem „Fall“ betrifft, ist es selbstverständlich, dass Ihr was aus Briefen von mir zitieren könnt, wenn ihr es geeignet findet. – Im Folgenden noch ein Text von mir. Es ist ein bisschen schwer, ohne Rücksprache nehmen zu können, einen auf die geplanten Beiträge abgestimmten Text zu schreiben, und ich war nicht ganz sicher, ob Ihr mehr einen Bericht über meine Situation oder mehr ein Statement zum Demo-Motto erwartet. – Ich hab‘ das Ganze jetzt als Gruß(-botschaft) formuliert.
Sucht Euch bitte das raus, was passt und lasst eben weg, was z. B. eine Wiederholung darstellt etc. …

Der Text von mir folgt auf Seite 2+3 des Briefs.

Nat

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Textbeitrag:
Einen kämpferischen Gruß an die TeilnehmerInnen der Demonstration unter dem Motto „Kriminell ist das System und nicht der Widerstand“!

Meine Unterstützung für die Antirepressions-Demo kann ich leider nur schriftlich ausdrücken.Und ich kann nur auf diesem Wege meine Solidarität mit den Antifas übermitteln, die von den jüngsten Beispielen anwidernder und absurder Repression in Fürth betroffen sind.

Denn seit dem 11. Feburar 2008 werde ic selbst in der staatlicen Einrichtung gefangen gehalten, die relativ am Ende des offiziellen Repressions-Spektrums steht.
(Das Gewaltmonopol des Staates reicht ja bekanntlich darüber hinaus bis hin zu finalen Schüssen und Ähnlichem…)
[In den Knast gesperrt worden bin ich, weil ich mich bei Protesten gegen Neonazis, Krieg und den G8-Gipfel aktiv gegen Repressionsmaßnahmen zur Wehr gesetzt haben
soll.]
Der Knast soll einschüchtern, umerziehen, kriminalisieren und ausschließen… – Und er präsentiert sich jeden Tag dafür, wie ungerecht, unmenschlich,
diskrimisierend und destruktiv das herrschende System ist: Welche gesellschaftlichen Gruppen werde denn vorrangig eingesperrt? – Die kurrupte Heuschrecken-Elite bestimmt nicht!!! (Alternativ: „Finanzelite“ statt „Heuschrecken“)

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Würde das Knastsystem ohne die erzwungene unterbezahlte Mitarbeit der Gefangenen in den Anstalten auch nur einen Tag lang funktionieren? Würden sich Gefängnisse aufrechterhalten lassen ohne die Befehl- und -Gehorsam-Hierarchie der VollzugsbeamtInnen, von denen die Unterwerfung bzw. Unterdrückung der Gefangenen durch den Staat täglich praktisch umgesetzt wird?
Bräuchte eine gerechte, freie Gesellschaft überhaupt Knäste als Instrument von Klassenherrschaft und als Mittel, um ausgebeutete Gesellschaftsschichten durch Kriminalisierung zu spalten?

Wie abscheulich die Erfahrung von Repression auch sein mag, die Erfahrung von Solidarität auf der anderen Seite ist sehr beeindruckend und ermutigend! Beides bestärkt mich in der Überzeugung: Widerstand gegen das herrschende System ist nötig. Und wieviel Angst das System offenbar hat, vor der sozialen Bewegung und aktivem Eintreten gegen Faschismus, Rassismus und Krieg, zeigt doch nichts so klar wie die Überzogenheit, Brutalität und vermessene Steigerung staatlicher Repression!

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine entschlossende und kraftvolle Demo!

Antifaschistische Grüße nach Nürnberg!
Natalja
JVA Aichach, den 5. November 2008