Gierig nach DNA

Wenn es nach den staatlichen Repressionsbehörden ginge, dann würden sie wohl von jedem eine Speichelprobe nehmen, den sie durch Mauern und Gitter fernhalten von den Herrschenden und den braven Bürgern die sich als Humankapital verwenden lassen. Jetzt wollen sie auch eine Speichelprobe von Natalja. Sie erklärt, fast alle Mitgefangen in der JVA Aichach hätten bereits DNA abgeben müssen. Natalja selbst weigerte sich aber.
Deswegen beantragten gleich zwei Staatsanwaltschafen bei zwei verschiedenen Gerichten, eine DNA-Entnahme anzuordnen. Warum stellt nicht nur eine Behörde den Antrag? Sprechen die sich nicht ab, soll ja vorkommen bei Staatsorganen. „Doppelt hält besser“ mag leider auch eine Rolle spielen. Könnte ja sein, dass ein Gericht ablehnt, dann haben die Repressionsorgane immer noch eine Trumpfkarte in der Hand: die andere Staatsanwaltschaft und das andere Gericht. Die Staatsanwaltschaften haben in unterschiedlichen Verfahren Anklage gegen Natalja geführt. Deshalb ist es leider möglich, dass beide einen Antrag stellen.

Zuerst meldete sich die Staatsanwaltschaft Bamberg. Dabei ist es nicht nachvollziehbar, warum man DNA von jemandem braucht, nur weil er sich gegen Polizeibeamte gewehrt haben soll. Um nichts andres ging es in dem Verfahren, das die Bamberger Staatsanwaltschaft gegen Natalja führte. Am Ende wurde Natalja vom Amtsgericht Forchheim zu zwei Monaten Haft verurteilt. Dieser Richterspruch macht den geringsten Anteil an Nataljas Gefängnisstrafe aus. DNA-Proben können den Repressionsorganen auch nicht bei der Aufklärung von sogenannten Straftaten wie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte helfen. Will man nicht einfach nur Informationen (genetische Informationen) über politische Gegner? Oder will man politische Aktivisten in eine Reihe mit Sexualstraftätern stellen?
Warum wurde zuerst ausgerechnet die Bamberger Staatsanwaltschaft tätig? Möglicherweise wünschte sich die Bamberger Kripo bzw. der dazugehörige Staatsschutz Nataljas DNA. Diese Behörde ist nämlich geradezu gierig auf die Daten und die Kriminalisierung von politischen Aktivisten. Kürzlich fiel der Bamberger Staatsschutz erst mit dem Versuch auf, Teilnehmer einer Sitzblockade gegen einen Naziaufmarsch erkennungsdienstlich zu behandeln. Auch diese Demonstranten wehren sich gegen die Maßnahme.
Die staatlichen Repressionsorgane sind unersättlich. Und trauen sich immer mehr, wenn wir sie nicht bremsen. Am liebsten hätten sie wohl den Gläsernen Aktivisten und den Gläsernen Gefangenen. Es kann nicht hingenommen werden, dass Eingesperrten geradezu routinemäßig DNA abgenommen wird. Genetisches Material enthält persönliche Informationen über Verwandtschaftsbeziehungen, biologisches Geschlecht, mögliche Erbkrankheiten usw., die staatliche oder private Ausforscher gar nichts angehen!