Briefe an das Schülerbündnis Nürnberg

Aichach, den 9. September 2008

Hallo Schübü!

Vielen Dank für euren Brief, der gestern bei mir angekommen ist – zusammen mit dem ersten Exemplar der jW! ? Über die Zeitung freue ich mich total und möchte mich noch mal ganz doll bei euch und den anderen in Nürnberg/ Fürth für das Abo bedanken!
Eure E-Mail Adresse gebe ich an die Freundinnen in Norddeutschland weiter (zumindest …, die es inzwischen dorthin verschlagen hat, kennt ihr ja sicher noch ?
Von der Wahlkampfauftaktveranstaltung der NPD in Gräfenberg und den Polizei-Schikanen gegenüber Gegendemonstrantinnen habe ich schon gehört. Dass die Neonazis Gräfenberg schon wieder verstärkt heimsuchen ist natürlich echt ekelhaft!
Naja, Wahlkampfgetöse bleibt einem hier drinnen bis auf die entsprechende Propaganda im Fernsehen weitestgehend erspart. Übrigens gibt es eine Belehrung zum Thema Wahl und wer wählen darf, und die Inhalftierten müssen unterschreiben, dass sie darauf hingewiesen worden sind. Ich hatte den Eindruck, dass sich die allgemeine Begeisterung äußerst in Grenzen gehalten hat. Was mich betrifft, habe ich inzwischen bereits meine Briefwahlunterlagen erhalten.
Ansonsten habe ich ein paar Neuigkeiten zu berichten:
So wurde der Entwurf der Staatsanwaltschaft bzgl. Der nachträglichen Bildung einer Gesamtstrafe vom Amtsgericht München mittlerweile beschlossen. Eigentlich müsste der Beschluss inzwischen auch rechtskräftig geworden sein; eine neue Haftzeitübersicht habe ich aber noch nicht.Außerdem durfte ich vor ein paar Wochen endlich aus der 4er-Zelle zumindest in eine Doppelzelle umziehen.Was Besuche angeht, darf ich in Aichach pro Monat 2 Stunden bzw. 4 mal ½ Stunde Besuch bekommen. Normalerweise teile ich das immer auf 2 mal 1 Stunde auf, auch wegen der weiten Fahrtstrecke.
Die Besuchszeiten (Einlass) sind:
Mo- Fr: 8 Uhr bis 10.30 Uhr; 12.30 Uhr bis 15 Uhr
Und am Besucherwochenende – das ist für Frauen jeweils das 3. Wochenende im Monat:
Sa oder So: 10 Uhr bis 15 Uhr
An dem Wochenende herrscht allerdings meistens großer Andrang und es kann sein, dass man dann nur ½ Stunden Zeit kriegt.Natürlich würde ich mich sehr über Besuch aus Nürnberg + Umgebung freuen, wenn FreundInnen/ GenossInnen Bock haben herzufahren!
Maximal 3 Leute dürfen einen zusammen besuchen. Unbedingt muss ich aber lange genug im Voraus einen Antrag stellen, dass die möglichen BesucherInnen in die Besucher – Kartei eingetragen werden!!!Dazu müsstet ihr mir bitte die Namen und die vollständigen Adressen der Leute schreiben, die vielleicht kommen möchten!
(Ansonsten ist es wie so oft: Ohne Ausweis kommt mensch nicht durch die Vorkontrollen ?
Es wäre auch gut, ungefähr einen Termin auszumachen, damit euch niemand zuvorkommt und die im Monat erlaubte Zeit „verbraucht“.
(Der September ist schon ausgeschöpft bzw. verplant.)

Damit verabschiede ich mich mal für heute. Wie gesagt finde ich es echt super, dass ihr das mit dem Abo für mich organisiert habt! Danke auch für die Grüße und die ordentliche Portion Durchhaltevermögen, die ihr mir geschickt habt!

Bis Bald Nat

Aichach, den 31.Juli 2008

Hallo Schübü!

Über euren Brief, der heute bei mir angekommen ist, habe ich mich riesig
gefreut!
Natürlich bin ich total happy, von der Soli-Party zu hören, und ich
möchte mich ganz doll dafür bedanken! Ich finde es echt cool und
beeindruckend, dass ihr so an mich denkt und mir von draußen den Rücken
stärkt!
Dass ich mir was wünschen darf, ist natürlich voll nett und eine schöne
Sache! :-)
Ich muss zugeben, ich wurde zwar schon mal gefragt, habe da aber was
ungefähr in Richtung „brauch im Moment nix“ geantwortet. Ein junge
Welt-Abo ist, finde ich, aber eine super Idee! Darüber würde ich mich
sehr freuen!

Was ich zur Zeit aus den Medien mitkriege, schwankt und hängt ziemlich
von den Fernsehgewohnheiten meiner Mitbewohnerinnen ab.
Eigentlich bekomme ich auch die ENTFESSELT (die Zeitung vom abc zum
Thema Knäste etc. und politische Gefangene), die jedoch in der JVA
Aichach bisher komplett zensiert worden ist, und einen
Gefangenen-Rundbrief (in dem Gefangene schreiben), bei dem ich mal
klären muss, warum eigenlich die letzte Ausgabe (noch?) nicht bei mir
angekommen ist…
Natürlich interessiert mich sehr, was in Nürnberg und Umgebung so
geschieht, sodass ich es richtig genossen habe, eure Schilderung einiger
politischer Ereignisse der letzten Zeit zu lesen. – Dass die Nazi-Demo
in Gräfenberg gestoppt worden ist, ist natürlich eine besonders schöne
Nachricht!

Ihr fragt, wie ich das mit der Spaltung der Gefangenen untereinander
gemeint habe. Da habe ich mich in erster Linie auf die Spaltung im Sinne
von „Spalte und herrsche!“ bezogen, auf der Basis von Konkurrenz und
gegeneinander ausgespielt werden. Natürlich spielt auch der
gegensätzliche Kontext der Verurteilungen sowie der unterschiedliche
persönliche Hintergrund eine Rolle, also schon die Klassenzugehörigkeit
draußen.
Was meine Haftzeit betrifft, wird das Amtsgericht München
vorausslichtlich eine Gesamtstrafe aus den beiden letzten Verurteilungen
in Forchheim und München beschließen, durch die sich die Haft
wahrscheinlich um einen Monat reduzieren wird. Dann hätte ich jetzt noch
etwas mehr als zehn Monate vor mir.
Um eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung nach 2/3 werde ich mich wohl
nicht bemühen. Erstens möchte ich die Sache ganz hinter mich bringen und
abschließen können. Und vor allem kriegt man zweitens eine vorzeitige
Entlassung ja nicht zum „Nulltarif“ und ich möchte weder dem Staat noch
der JVA irgendwelche zusätzlichen Druckmittel gegen mich geben.
Besonders viel, was ich erzählen kann, hat sich seit meinem letzten
Brief eigentlich nicht ereignet. Der Gefängnisalltag ist eben recht
einförmig. Bemerkenswert wäre vielleicht noch, dass ich heute außer
eurem Brief noch einen weiteren erhalten habe und zwar mit dem Hinweis,
er sei kopiert worden wegen angeblicher „vollzugsfeindlicher Tendenzen
und der Aufforderung zum Hungerstreik“…
Mir geht es soweit gut, auch wen ich die Situation hier schon ziemlich
belastend finde. Aber das packe ich schon und kleinkriegen lasse ich
mich auf jeden Fall nicht!

Danke für den coolen Brief und für das angebotene Abo schon mal ein
großes DANKE im Voraus!
(Freundinnen aus Norddeutschland hatten auch vorgeschlagen, mir ein Abo
zu schenken. Wenn ihr mir eines spendiert, würden sie einen Teil der
Kosten übernehmen. Passt das für euch oder ist die Idee eher etwas zu
kompliziert abzusprechen?)

Euch vom Schübü wünsche ich viel Erfolg!

Kämpferische Grüße,

Nat

PS: Inzwischen nummeriere ich meine Briefe. Bei dem hier fange ich mal
einfach bei 1 an.

16. Juni 2008

Hallo Schülerbündnis
hoffentlich geht’s gut bei euch!
Cool, dass ich Infos an euch schicken kann! – Hier nut mal kurz, wie es so für mich weitergegengen ist:
Seit dem 23.Mai bin ich also in der JVA Aichach. Nach ein paar Wochen in der Zugangsabteilung bin ich in eine 4er-Zelle auf dem D-Flügel gekommen.
Aichach ist, soweit ich weiß, das größte Frauengefängnis in Bayern und das einzige für Langstrafen. Es hat im Verhältnis zu Neudeck auf jeden Fall modernere Räume, z.B. gibt es Strom in den Zellen. Etwas mehr Eigenständigkeit haben die Gefangenen hier auch.
Der Hofgang findet für die Gefangenen eines Flügels gemeinsam statt, der „Aufschluß“ (zellentüren offen + Dusche und Gemeinschaftsraum mit Küchenzeile geöffnet) innerhalb der einzelnen Stockwercke des jeweiligen Flügels. Gewckt werden wir bereits um 5:30 Uhr per Durchsage, alledings nur an den Wochentagen. In der 4er-Zelle schlafen wir in Doppelstockbetten und die Toilette ist richtig seperat. Während der Arbeitszeit, die um 6:45 Uhr beginnt, haben die Inhaftierten, die nicht arbeiten, bis zum Nachmittag Einschluss in ihren Zellen – mit einer Unterbrechung für’s Mittagessen.

Ich habe jetzt seit meiner Festnahme im Februar etwasmehr als vier Monate Knast hinter mir. Den Alltag empfinde ich eher als ermüdend und nervig; schlimmer waren für mich einige Ereignisse/ Situationen, mit den ich inzwischen konfrontiert war und mit denen ich ziemlich schwer umgehen konnte. Als allgemein sehr belastend erlebe ich die extreme Abhängigkeit als Gefangene selbst in eifachsten und existenziellsten Dingen und das Ausmaß, in dem die gefangenen Frauen untereinander gespalten sind. Was ich grundsätzlich über Knäste denke? Von der Funktion her sind Gefängnisse schon mal auf die Unterwerfung unter die Ordnung eines Systems ausgerichtet, in dem Sicherheit die Sicherheit der Herrschenden vor den Beherrschten darstellt. Knäste dienen zur Aufrechterhaltung ungerechter Eigentumsverhältnisse. Was ihre Wirkung nach „innen“ betrifft, sind sie meiner Ansicht nach ziemlich destruktiv, weil sie nicht nur niemanden besser machen, sondern ihren offiziellen Zweck nicht erfülle, indem sie eben nicht zu weniger Gesetzesverstößen führen. In ihrer Außenwirkung sind Haftanstalten ein Instrument zur Konstruktion eines Deliquentenmilieus, in dem bestimmte (z.B. wirtschaftlich benachteiligte und rassistisch ausgegrenzte) Bevölkerungsgruppen überrepräsentiert sind. Dadurch tragen Knäste dazu bei, Bevölkerungsanteile zu spalten und gegeneinander auszuspielen und die Akzeptanz von Überwachung zu fördern.
Ich lasse mich auf jeden Fall nicht unterkriegen – ich weiß wofür!
Viele Grüße aus Aichach,
Natalja

JVA Neudeck, 15. Mai 2008

Hallo Schübü!

Ich hoffe es läuft gut bei euch in Nürnberg! Vielen Dank noch mal, dass ich Infos an euch schreiben kann und so einer weitere Verbindung zur Außenwelt habe. (FreundInnen außerhalb von Bayern haben mir ja auch ganz viele Briefe geschickt und das anarchist black cross hat ebenfalls was über meinen “Fall” veröffentlicht.) Jedenfalls finde ich es voll cool, dass es den Blog gibt!
Habe ich im letztem Brief ja schon geschrieben.
Diesmal nur ein kurzes Update: Wie ich gestern erfahren habe, werde ich am Freitag nächster Woche, also am 23.05., in die JVA Aichach verschubt. Neudeck ist nämlich nur für die Verurteilung aus München zuständig. Genauer gesagt komme ich nach 2/3 der 5 Monate aus München nach Aichach, wo ich die anderen beiden Freiheitsstrafen und das restliche Drittel von den 5 Monaten absitzen muss- oder eben eine Gesamtstrafe, die hoffentlich noch gebildet wird.
Erfahrene Mitgefangene konnten mir zum Glück schon mal die Adresse vo Aichach geben:
JVA Aichach
Münchener Str. 33
86551 Aichach
Ihr hört von mir!
Antifaschistische Grüße, Nat

11.Mai 2008

Hallo Schübü!

Beim Besuch habe ich erfahren, dass ein Soli-/Info-Blog im Netz für mich erstellt worden ist. das freut mich riesig und ich möchte mich ganz doll bedanken!
Überhaupt ist es schon ein cooles Gefühl, die Erfahrung zu machen, dass einen Solidarität und freundschaftliche Verbundenheit für gemeinsame Ziele auch dann irgendwo auffangen und- wie draußen auch- einfach stärker machen, wenn mensch von der Staatsmacht eingesperrt wird. Eingesperrt heißt, weggesperrt in eine Institution, die zur Unterwerfung unter das System dienen soll. Eigentlich habe ich aber mehr den Eindruck, dass das Gefängnis zwar ein Produkt und (Macht-) Mittel dieses Systems ist, allerdings auch ein relativ abgeschlossener Mikrokosmos, der im Alltag in erster Linie nur unter sich selbst unterwirft…

Ich hoffe, es ist OK, wenn ich Infos über den Stand der Dinge an euch schicke. Gleich nach der Verhandlung am 30.April hatte ich einen Brief an die Schwarze Katze (Anmerkung für die ZENSUR: Eigenname eines Stadtteilladens) geschrieben, auch um auf die vielen tollen Postkarten zu antworten, die ich gekriegt habe. Ob der schon angekommen ist, weiß ich allerdings nicht, dann zu diesem Zeitpunkt war noch die Richterin für die Postüberwachung zuständig. Kurz darauf hat sich das aber geändert, weil ich inzwischen in „Strafhaft“ gekommen bin. Mittlerweile ist nämlich das Urteil des AG München gegen mich rechtskräftig, da weder ich in Berufung gegangen bin, noch die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel eingelegt hat.

Das Urteil: 5 Monate Knast wegen Widerstands gegen PolizistInnen in 4 tateinheitlichen Fällen
in Tateinheit mit Körperverletzung in Tateinheit mit versuchter Körperverletzung in 2 tateinheitlichen Fällen. Das heißt: Ich wurde verurteilt, mich gewaltsam einer Festnahme widersetzt zu haben. (Diese Festnahme habe angeblich ursprünglich nur der Identitätsfeststellung dienen sollen und nachträglich eine weitere Rechtfertigung durch den Widerstand erfahren. Das Verhältnis von 4 gegen eine- 4 PolizistInnen gegen mich- wirkt sich dabei erschwerend aus, weil sich dadurch gleich 4 tateinheitliche Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ergeben. Vorallem aber habe der Polizeikommissar, Herr B. durch mich Rötungen und Schwellungen des rechten Mittelfingers und im Gesicht erlitten. Außerdem soll ich durch mein Verhalten bewusst in Kauf genommen haben, dass auch 2 KollegInnen von Herrn B. hätten verletzt werden können, wobei sie allerdings nicht verletzt worden sind.

Und warum bin ich dann nicht in Berufung gegangen???
Rechtsmittel als taktischer Schritt schienen wenig erfolgsversprechend:
Insbesondere hätten sich die Widersprüche zwischen den Zeugenaussagen bei einer Berufungsverhandlung wohl eher nicht wiederholt, auch wenn sie in der ersten Instanz krass auffielen. denn die BereitschaftspolizistInnen aus NRW blieben jeweils nach ihrer Entlassung aus dem Zeugenstand im Zuschauerraum, wo sie diese Widersprüche auch selbst deutlich erkennbar registrierten und sogleich flüsternd miteinander diskutierten.

Zudem hatte ich mich entschieden, mich in dem Verfahren nicht- also auch nicht durch meinen Verteidiger- zur Sache zu äußern. Natürlich hätte es gute Gründe gegeben, als ideellen Schritt in Berufung zu gehen:

um es der Repression nicht so leicht zu machen weil es einfach heftig ist, dass ich den Widerstand fast ausschließlich am Boden liegend begangen haben soll, und zwar auf dem Bach liegend und mit unter dem Bauch verschränkten Armen… (Dies haben auch die Zeugen so ausgesagt.) Allerdings fände ich es für mich persönlich eher Kraftverschwendung, ideelle Ziele in meinem Fall durch eine weitere gerichtliche Auseinandersetzung verfolgen zu wollen. Es entspräche auch nicht meiner Einstellung gegenüber dem kapitalistischem Staat und seiner Justiz. Also heißt es für mich jetzt, die Zeit im Knast möglichst gut hinter mich zu bringen.

Der Übersicht halber: Insgesamt muss ich Haftstrafen von zusammen 18 Monaten absitzen. Allerdings kann mein Anwalt hoffentlich noch die Bildung einer nachträglichen Gesamtstrafe erreichen, die dann wahrscheinlich etwas geringer ausfällt. Die U-Haft wird angerechnet. Die Freiheitsstrafen basieren auf Verurteilungen zum einen wegen schweren Landfriedensbruchs und zum anderen (mehrmals) wegen Widerstands beziehungsweise wegen Widerstands und Körperverletzung. Ist verlorene Zeit, geht aber auch vorbei. Puh, politisch gesehen fühle ich mich gerade ganz schön als Konsument (von Solidarität…) uns sehr inaktiv! Persönlich geht es mir relativ gut, allerdings bin ich innerlich ziemlich angespannt. Für eine gewisse Zeit lässt sich die Gefangenschaft schon aushalten. Ich freue mich schon auf die Zeit danach und darauf, mich draußen wieder einbringen zu können!

Vom Geschehen am 1.Mai habe ich einiges aufschnappen können- aber leider keine genauen Infos über Nürnberg (Details nur über den DGB und den Auftritt von Beckstein…). Für den Staat kommen die Neonazi- Aufmärsche an diesem Datum, denke ich, gar nicht ungelegen:
Nicht nur weil es im Interesse der Herrschenden liegt, dass den eindeutig links verwurzelten Inhalten des 1.Mai zumindest partiell Aufmerksamkeit entzogen wird. Die Konstellation wird gezielt begünstigt und eingesetzt, um die Aushöhlung der Versammlungsfreiheit etc. noch weiter voranzutreiben, und um einen Vorwand dafür zu haben, linksgerichtete Proteste/ DemonstrantInnen anzugreifen- natürlich nur zum Schutz, ja zur „Errettung“, von Gefahren durch die konfrontative Wechselwirkung mit den braunen Veranstaltungen…
Oder platt ausgedrückt: Ohne Fascho- Aufmarsch auch keinen Rede für den rechts-nationalen Abschiebe- und Überwachungs- Politiker Beckstein vor dem DGB- Publikum…

Wie gehabt: Antifaschismus ist links!

In diesem Sinne
antifaschistische Grüße

Nat

Ein Antwortbrief von Natalja an alle

30.April 2008

1/3

Hallo Genossinnen und Genossen, Vokü-BesucherInnen, Brief- / Postkarten – VerfasserInnen!

Zu allererst möchte ich mich für die vielen, vielen Postkarten bedanken, die ich bekommen habe, für die Solidarität, für die verständnisvollen ermutigungen und die freundschaftliche Wärme und für die symbolkräftigen bzw. witzig provokanten Bilder oder Kollagen auf den Karten!
Ich habe mich voll gefreut und es beeindruckt mich sehr, dass Ihr so an mich denkt!
Das gibt einem Kraft und ein gutes Gefühl trotz Knast! Es war auch sehr schön für mich, ein paar kurze updates über die Situation in Nürnberg/Fürth zu kriegen. (bin ja ziemlich abgeschottet hier)
Die Unterstützung durch aktive ZuschauerInnen bei der Verhandlung in Forchheim war für mich ebenfalls von großer Bedeutung und hat einfach gut getan!
Auch dafür vielen Dank!

Leider wurde der Haftbefehl auch heute nach der Hauptverhandlung vom Amtsgericht München aufrecht erhalten, sodass ich mich nicht persöhnlich bedanken kann und morgen, am 1.MAI, weiter unnütz hier herumhocken muss.

2/3

Der Stand der Dinge ist jetzt folgender:
Heute Vormittag bin ich zu einer Freiheitsstrafe von 5 Monaten verurteilt worden wegen tateinheitlichen Widerstand gegen vier Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Körperverletzung in Tateinheit mit versuchter Körperverletzung in zwei Fällen. -Seufz.-
Gegen einen zugriff angeblich zur Identitätsfestellung soll ich mich gewehrt haben und soll auf dem Bauch am Boden liegend einen Polizisten verletzt und eine mögliche Verletzung zweier weiterer Polizisten in Kauf genommen haben, während die drei Herren und eine Dame in Uniform versucht hätten, meine unter dem Bauch verschränkten Arme auf den Rücken zu bringen und zu fesseln.

Wie sich ja wahrscheinlich schon herumgesprochen hat bin ich vor 10 Tagen bereits in Forchheim wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte bei einer antifaschistischen (Gegen-) Demo zu 2 Monaten Haft verurteilt worden. (gräfenberg …)
Dieses Urteil ist mittlerweile rechtskräftig, genauso wie die 11 Monate Knast, die ich in Rostock bekommen habe.
Also habe ich 11 Monate + 2 Monate + 5 Monate abzusitzen. Eine mögliche nachträgliche Bildung einer Gesamtstrafe könnte das ganze allerdings noch etwas abmildern.

3/3

Wahrscheinlich fragen sich einige von Euch, wie es denn so ist im Münchner Frauenknast Neudeck.
Ich mach’s mal kurz: 22 Stunden pro Tag Tür zu. 1 Stunde gemeinsamer Hofgang. 1 Stunde Aufschluss. „Aufschluss“ heißt, dass innerhalb von einem Gang die Zellentüren offen sind.
3x pro Woche Duschen. Jeden Morgen außer sonntags „Wäschetausch“: Die Gefangenen müssen im Bademantel in der Zellentür stehend (die dann mal kurz geöffnet wird) ihre getragene Unterwäsche abgeben, um anschließend frische zu erhalten.
Neudeck ist halt kein besonders modernes Gefängnis. Es soll bald von einer sich noch im Bau befindenden „Neuauflage“ ersetzt werden. Im bisherigen Frauenknast haben wir jedenfalls keinen Strom in der Zelle, auch keinen Lichtschalter innen und die Toilette ist nur durch einen Vorhang abgetrennt.
Ich bin zur Zeit mit einer Mitgefangenen zusammen in einer 2er – Zelle.
Wahrscheinlich wird das heutige Urteil in Kürze rechtskräftig und ich komme dann wohl relativ bald in anderen Knast.

In Gedanken bin ich morgen in Nürnberg und drücke die Daumen, dass der diesjährige 1.Mai ein erfolgreicher linksgerichtet – kämpferischer Tag wird – und ein Fiasko für die Faschos!